Baustelle Bildung – Podium zur Landtagswahl 7. Februar 2026
Rund 100 Teilnehmende zog am Dienstag, 3. Februar 2026, das öffentliche Podiumsgespräch „Baustelle Bildung“ im Paulussaal des Kath. Gemeindezentrums Salemer Pfleghof in Esslingen an, um zentrale bildungspolitische Fragen zur kommenden Landtagswahl zu diskutieren.
Eingeladen hatte die keb Landkreis Esslingen e.V. zusammen mit dem Evang. Bildungswerk und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Gesamtelternbeirat Esslingen (GEB), der auf Grund von rechtlichen Abgrenzungsfragen nicht als Veranstalter firmierte,unterstützte Kooperation von Anfang an in einer kleinen Planungsgruppe der Leitungen aller vier Partner und brachte am Abend die Elternperspektive auf dem Podium ein.


Auftakt: Bildung als „Baustelle“ – Didaktik statt Wahlkampfshow
Zum Einstieg begrüßte Dr. Emanuel Gebauer die Anwesenden und definierte den Abend noch einmal bewusst als Maßnahme der politischen Bildung im Unterschied zur „Wahlkampfshow“: Bildung sei wie die Baustelle selten „fertig“. Als Bildungsmaßnahme stehe der Abend unter dem Primat der Didaktik, deren unbestreitbare Kompetenz die „Auswahl“ sei: personell, stofflich, methodisch. Diese Unterscheidung zur Kampfstätte war wichtig geworden, nachdem eine der Parteien, die nicht auf dem Podium zugelassen waren, im Vorfeld über das Regierungspräsidium und über die Presse massiv versucht hatte, rechtlich gegen die Gestaltung des Abends vorzugehen und medial zu skandalisieren. Der Versuch blieb erfolglos.
Das Podium
Auf dem Podium diskutierten Kandidierende und Parteienvertreter aus dem Wahlkreis Esslingen sowie die Elternvertretung: Andrea Lindlohr, MdL (Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Deuschle, MdL (CDU), Nicolas Fink, MdL (SPD), Joachim Werner (FDP) und Catrin Spickermann (Vorsitzende des GEB Esslingen). Mira Hartwig (GEW) moderierte. Bereits bei der kurzen Publikumsabfrage zeigte sich: Im Saal
waren viele Schüler*innen und Eltern – insgesamt ein sehr bildungsinteressiertes, engagiertes Publikum. In der Podiumsdiskussion standen Fragen im Mittelpunkt, die unmittelbar im Schul- und Familienalltag spürbar sind. Ein zentraler Strang war die Stärkung von Grundkompetenzen: Lesen, Sprache und grundlegende mathematische Fähigkeiten wurden als entscheidende Basis benannt. Deutlich wurde auch die Verbindung zur frühkindlichen Bildung: Sprachförderung in Kitas, Übergänge in die Grundschule und die Frage, wie Kinder bestmöglich vorbereitet werden, zogen sich durch mehrere Beiträge. Ein weiterer großer Themenblock betraf die Frage nach den Ganztagsangeboten – auch vor dem Hintergrund des absehbaren Rechtsanspruchs. Diskutiert wurde nicht nur der Ausbau an Plätzen, sondern vor allem die Qualität und Verlässlichkeit der Angebote: Wer trägt welche Verantwortung (Land, Kommunen, Träger), wie lassen sich Personalengpässe lösen, und wie bleibt zugleich Wahlfreiheit für Familien gewahrt? Besonders kontrovers wurde die Debatte dort, wo sich unterschiedliche Perspektiven an einem Punkt kreuzten: Ganztag als Chance für Förderung und Entlastung – aber nur dann, wenn Personal, Konzepte und Infrastruktur tatsächlich mitwachsen.
Schulstruktur und „Schulfrieden“:
Weniger Symboldebatte,
mehr Alltagstauglichkeit
Auch der „Schulfrieden“, die
Schulstrukturdebatte kam zur
Sprache: Wie sinnvoll ist frühe
Selektion, wie viel Vielfalt braucht
das System, und wo erzeugt
Komplexität eher Verwirrung
als Orientierung? Hier wurde
sichtbar, wie stark Erfahrungen
aus der Praxis (etwa
Übergänge, Verständlichkeit
von Reformen, Planbarkeit für
Eltern) die Bewertung prägen.
Zugleich war spürbar: Die Erwartung im Publikum richtet sich weniger auf große Schlagworte als auf
verlässliche, nachvollziehbare Rahmenbedingungen – insbesondere bei Reformen, die Familien und
Schulen unmittelbar betreffen. Kontroverse Positionen, die das Publikum dann mit engagierten Zwischenrufen
quittierte, wurden dabei zur Lehr- bzw. Lernmittelfreiheit deutlich.
Inklusion, Ressourcen und multiprofessionelle Teams
Die Diskussion um die Inklusion machte deutlich, dass sie von vielen als richtiges Ziel anerkannt wird, gleichzeitig aber stark an Ressourcenfragen hängt. Genannt wurden unter anderem regionale Unterstützungsstrukturen, sonderpädagogische Expertise, begleitende Beratung sowie Entlastung im Schulalltag. Daran knüpfte das Thema „multiprofessionelle Teams“ an: Neben Lehrkräften wurden – je nach Argumentation – Schulsozialarbeit, Verwaltung, IT-Unterstützung und weitere Professionen als entscheidend beschrieben, um Schulen zu entlasten und Qualität zu sichern. Unübersehbar blieb dabei
die Kernfrage: Wie wird das finanziert – und wie werden Fachkräfte gewonnen?
Methodisch abwechslungsreich: Kurzformate und
Publikumsfragen
Der Abend war klar strukturiert: Nach der Podiumsdiskussion
folgten eine Pause und anschließend ein längerer
Block mit Publikumsfragen. Nun zeigte sich auch,
dass die von Gebauer eingangs didaktisch begründete
„Auswahl“ keineswegs als „Ausschluss“ der nicht auf
dem Podium vertretenen Parteien missverstanden
worden war. Wo diese etwas zur Bildungspolitik beizutragen hatten, äußerten sich diese nun, und wo
nicht, dort kam es auch zu keinem Beitrag. Zu bemerken war, dass eine Partei, die, obwohl sogar im
Landtag vertreten, und am Abend mit einer Gruppe anwesend, überhaupt nichts äußerte. Andere jedoch
nutzten die Möglichkeit, Fragen schriftlich einzureichen – ein Format, das sowohl Vielfalt als
auch Fairness in der Reihenfolge unterstützte. Für Dynamik sorgten kurze interaktive Elemente („Karten
ziehen“ mit Satzanfängen) sowie abschließende 1-Minuten-Statements der Podiumsgäste, die
zentrale Positionen pointiert zusammenfassten.
Stimmung und Fazit
Die Veranstaltung zeigte, wie politischer Dialog zur Bildungspolitik sein kann: Die Atmosphäre war konzentriert, respektvoll und zugleich lebendig. Unterschiedliche Positionen wurden klarer, und wo Kontroversen aufbrachen, war dies von den Teilnehmenden als Herausforderung erkennbar, sich selber zu positionieren: so oder so. Besonders positiv fiel auf, dass viele Beiträge nah an konkreten
Herausforderungen blieben – von Kita-Realitäten über Grundkompetenzen bis zu Personal, Ganztag und Inklusion. So erfüllte der Abend genau das, was im Auftakt formuliert worden war: politische Information, Orientierung und Raum für Austausch zwischen Politik, Bildungsakteur*innen und Zivilgesellschaft.
(PD)
www.keb-esslingen.de
