Dominikaner und Pfarrei – Innovative Konkurrenz

Rückschau Dominikaner und Pfarrei

Prof. Klaus-Bernward Springer, vom Kölner Forschungsinstitut des Dominikanerordens, bei seinem Vortrag „Dominikaner und Pfarrei. Innovative Konkurrenz“ am Dienstag 27. November im Salemer Pfleghof Esslingen

Bei seiner Frage nach den Ursachen des Erfolgs der Dominikaner bei der Erneuerung der Kirche ging Prof. Springer überraschend konkret auch auf die örtlichen Rahmenbedingungen ein, unter denen die ehemalige Dominikanerkirche, das heutige Münster St. Paul in Esslingen, errichtet wurde. Der Priester, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts noch in Vertretung des Bischofs „vom hohen Ross“ herab Sakaramente gespendet und gepredigt hatte, wurde mit den maßgeblich von den Dominikanern reformierten Aufgaben plötzlich zum bettelnden Bruder. Die bei Strafe eingeforderte Zuständigkeit der damaligen Pfarre und deren sozialer Kontrolle fiel damit weg. Mit den Dominikanern entstand nicht nur erstmals eine frei wählbare, zeitliche Begrenzung der Hierarchie der Obrigkeit, sondern auch erstmalig die Wählbarkeit der seelsorglichen Dienste durch die Bevölkerung! Das gesprochene Wort als seelsorgliches „Heilmittel“ sakramentaler Bedeutung wurde in Vrekündigung und Diakonie wichtiger als die sanktionierten ormalisierten, rituellen Handlungen der örtlichen Obrigkeit. Denn die bettelnden Brüder konnten sich mit päpstlicher Autorisierung unter das Volk begeben. Ganz nebenbei war damit ertsmalig seit Ende der Antike die Mobilität in der Seelsorge, der überregionale Austausch von Gedanken und Ideen, sowie die Pluralisierung der Auseinandersetzung mit verschiedenen Glaubenserfahrung und der wechselseitige Transfer erfunden …

Besonderes Interesse in der Aussprache am 27.11. im Kaiserzimmer des Salemer Pfleghofs fand vor allem das von den Dominikanern, insbesondere von Albertus Magnus und Meister Eckhart, genutzte Potential der kreativen Wortschöpfung. Denn erstmalig auf breiter Ebene wurde es mit den Dominikanern in den Städten üblich, für das bis dahin auf Latein gedeutete Evangelium in Landessprache umzudeuten, wo dafür überhaupt erstmal neue Begriffe gefunden werden mussten. Dadurch entstanden poetische Spielräume und noch heute gebräuchliche Worte der deutschen Sprache … eine sprachliche Kraft der dominikanischen Mystik.